Mein erster bezahlter Video-Job

Ab jetzt mach ich Videos!

Das war wohl, was ich mir gedacht hab, als ich das erste Projekt annahm, das mir mehr oder weniger in den Schoß fiel. Trotz, dass ich ein ILS-Fernstudium im Thema "Filmproduktion" (den Untertitel "Professionell gemacht" lasse ich gerne weg, weil sich das Wort "professionell" immer so amateurhaft anhört) gemacht habe, habe ich es immer als ein Hobby verstanden. Vielleicht sogar wirklich nur zur Selbstverwirklichung, denn schon seit meiner Kindheit wollte ich Filme drehen. Nun kommt tatsächlich jemand auf mich zu und möchte, dass ich ein Video für ihn drehe. Mein allererstes Video (abgesehen von ein paar nicht so repräsentativen Versuchen für die eigene Band). Und es sollte auch nicht umsonst sein. Immerhin habe ich in mein Fernstudium ein paar tausend Euro investiert und noch mehr in meine Foto-Video-Ausrüstung. Bei solchen Summen sollte eigentlich schon klar sein, wohin der Wind weht, aber für mich sollte es in erster Linie ein (sehr) teures Hobby sein. Nachdem man mir den Song (plus einer vagen Beschreibung, um was es gehen soll) zukommen lassen hat, habe ich mir natürlich gleich gedanken gemacht, wie man das am besten umsetzen könnte. Das Kopfkino begann. Gothic, düster, Wald, Nebel, Blut, Gekröse... das sind so ein paar Stichworte, die ich mir gleich notiert hatte. Ich hatte sogar ein kleines Drehbuch und ein paar Skizzen angefertigt. Wirklich viel ist am Ende davon nicht im Video gelandet. Eigentlich gar nichts so richtig. Aber warum? Eine Sache ist passiert, mit der ich im Vorfeld nicht gerechnet hatte: Produktions-Organisation.

Für meinen Plan hätten wir eine bestimmte Location gebraucht (ich hatte sogar eine im Kopf, die stand allerdings nicht zur Verfügung und wäre für die Musiker viel zu weit entfernt gewesen).

Es hätte zu einer bestimmten Tageszeit gedreht werden müssen (im Nachhinein bin ich froh, denn meine damalige Kamera hätte mir mit der mangelhaften "Low-Light-Performance" vermutlich ein viel zu verrauschtes Bild gegeben).

Es hätten sich SchauspielerInnen (ja, ist bewusst gegendert) finden müssen.

Alle diese Punkte lassen sich runterbrechen auf den einzigen Faktor, der alles andere um eine Produktion beeinflusst: ZEITMANAGEMENT!

Was in einer Firma (wenn man beispielsweise einen Image-Film macht) selbstverständlich ist, wird bei einer Band, die die Musik als ihr Hobby bezeichnet, ganz schnell zu einem großen Knackpunkt. An dem einen Termin ist der Drummer auf Fortbildung, beim anderen Termin hat die Sängerin einem Auftritt und kann nur für zwei stunden zum Dreh kommen. Beim wiederum anderen Termin ist die Geigerin im Urlaub an der Ostsee. Beim Termin, bei dem mal alle Bandmitgliededer verfügbar wären, kann ich nicht, weil ich ein Konzert in Luxemburg habe. Ihr erkennt schnell worauf das hinaus läuft.

Und jetzt macht das Plattenlabel druck, das Video muss bis zum Datum X eingeschickt werden, um die Werbung fürs neue Album zu starten. Was tust du? Du improvisierst. Schnell landet das Drehbuch, an dem Du ein paar Stunden verbracht hast im Mülleimer, ein völlig neues Konzept muss her. Ein Konzept basierend auf Kompromissen. Keine Schauspieler, kein düsteres Szenario, kein Blut, kein Gekröse, kein Gothic.

Wenigstens blieben uns Wald und Nebel. Egal, ich hab mich unglaublich auf den Dreh gefreut. Ich kannte schon ein paar der Bandmitglieder und es ist immer schön, mit denen zu arbeiten.

Also ging es mit viel positiver Energie und einem extra für den Dreh neu gekauftem Gimbal (Ronin SC) in den Wald. Dort wurde mir dann eröffnet, dass leider eine der beiden Sängerinnen krank sei und wir einen nachdreh vereinbaren müssen. Egal, wir sind ja mittlerweile Meister des Kompromisses und der Improvisation. Der Dreh begann relativ "normal". Nachdem ich meine ersten Testaufnahmen machen konnte, sollte die Band anfangen zu spielen. Die Technik funktionierte...nicht. Nicht etwa die Video-Technik, die war bereit, aber das Playback, zu dem die Band spielen sollte, wollte einfach nicht abspielen. Nachdem dann Kabel getauscht waren und der Drummer etwas an der Anlage schraubte, kam dann endlich Ton aus der Box...so laut und verzerrt (wir hatten uns übrigens vorher beim Förster die Erlaubnis geholt, laut zu sein, und uns vergewissert, dass dadurch keine Tiere gestört werden), dass man am Ende nur das Schlagzeug hören konnte, dass live gespielt wurde, die Sängerin sich selbst nicht über die Anlage hören konnte und irgendwas sang, in der Hoffnung, dass es gerade die richtige Textpassage ist. Langsam begann das Licht sich zu verändern und wir hinkten schwer im Zeitplan hinterher (nach uns sollten die Drohnenflieger die ihre Drohnenaufnahmen mit der Band machen) und natürlich drohte es zu regnen. Also machten wir schnell alle Pflichtaufnahmen, die Sängerin habe ich dann separat gefilmt, damit ich synchrone Aufnahmen an den Stellen rein schneiden konnte, wo es während der Band-Performance nicht geklappt hat.

Am Endesollte es ein reines Performance-Video werden, abgesehen von ein paar eingeworfenen Story-Elementen, die wir mit der anderen Sängerin beim Nachdreh noch machen konnten. Und eine zwei-Sekündige After-Effects Animation, die mich über 5 Stunden gekostet hat (die aber der anderen Sängerin so gut gefallen hatte, dass sie sie auch haben wollte, was ich glückliocherweise sehr schnell abwimmeln konnte).

(Ach ja und Corona war auch noch so ein Thema. Also Maske, Abstand und Hygieneregeln befolgen. Sowas macht einen Dreh nicht gerade leichter in der Planung.)

 

Fazit: Für den ersteh Dreh war es überaus erfolgreich, ich bin mit dem Ergebnis in vielen Teilen sehr zufrieden (eigentlich bin ich nie zufrieden, aber irgendwann muss man einfach aufhören und seinen Frieden mit dem Ergebnis machen) UND ich habe eine Menge gelernt.